Zusatzweiterbildung Sexualmedizin

Die Sexualmedizin ist ein kleines, aber wichtiges Spezialgebiet: Ende 2025 waren bundesweit 56 Ärztinnen und Ärzte mit dieser Zusatz-Weiterbildung berufstätig. Sie verbindet sexualmedizinische Diagnostik und Behandlung mit einem wertfreien Blick auf sexuelle Gesundheit und geschlechtliche Identität.

Illustration mit einer Frau und Fragen zur Verhütung

Die Sexualmedizin ist ein multidisziplinäres Fachgebiet, das weit mehr als die Behandlung sexueller Funktionsstörungen abdeckt. Die Zusatz-Weiterbildung befähigt Fachärztinnen und Fachärzte zur Erkennung, Behandlung, Prävention und Rehabilitation von Störungen oder Erkrankungen, welche die sexuellen Funktionen, das partnerschaftliche Erleben oder die geschlechtliche Identität betreffen.

Ärztestatistik

Zum 31. Dezember 2025 verzeichnete die Bundesärztekammer 61 Ärztinnen und Ärzte mit der Zusatz-Weiterbildung Sexualmedizin. 56 von ihnen waren berufstätig; davon arbeiteten 33 ambulant und 15 stationär. Weitere acht waren bei Behörden, Körperschaften oder in sonstigen Bereichen tätig.

Behandlungsschwerpunkte Sexualmedizin

Das Behandlungsspektrum umfasst sexuelle Funktionsstörungen, die als Folge anderer Erkrankungen oder deren Behandlungen auftreten können. Dazu zählen etwa Erektions- oder Lubrikationsstörungen bei Krebspatienten oder Menschen mit chronischen Erkrankungen wie Diabetes und Bluthochdruck.

Auch Störungen des sexuellen Verlangens, der sexuellen Erregung und des Orgasmus fallen in den Zuständigkeitsbereich der Sexualmedizin. Dies gilt auch bei sexuell bedingten Schmerzerlebnissen, etwa bei Vaginismus oder Dyspareunie.

Ein weiterer Bereich betrifft Fragen und Belastungen im Zusammenhang mit geschlechtlicher Identität und sexueller Entwicklung. Identität oder Orientierung sind für sich genommen keine Krankheit; behandlungsbedürftig können jedoch damit verbundene Beschwerden, Konflikte oder Folgen von Diskriminierung und Traumatisierung sein.

Die Sexualmedizin bietet zudem Behandlungsansätze für Störungen der sexuellen Präferenz, zu denen die als Paraphilien bezeichneten Neigungen gehören, etwa Fetischismus oder Sadismus.

Zusammenfassend deckt die Sexualmedizin ein umfangreiches diagnostisches und therapeutisches Spektrum ab, das weit über reine Sexualstörungen hinausgeht und vielfältige Behandlungsansätze bietet.

Voraussetzungen, Dauer und Struktur der Zusatzweiterbildung

Voraussetzung ist eine Facharztanerkennung in einem Gebiet der unmittelbaren Patientenversorgung. Dazu zählen beispielsweise:

  • Allgemeinmedizin,
  • Innere Medizin und Schwerpunkte,
  • Chirurgische Gebiete,
  • Urologie,
  • Frauenheilkunde und Geburtshilfe,
  • Kinder- und Jugendmedizin,
  • Neurologie sowie Psychiatrie und Psychotherapie,
  • Haut- und Geschlechtskrankheiten.

Nach der Muster-Weiterbildungsordnung kommen folgende Bestandteile hinzu:

  • 80 Stunden Kurs-Weiterbildung in Psychosomatischer Grundversorgung oder eine Zusatz-Weiterbildung Psychotherapie beziehungsweise Psychoanalyse,
  • 120 Stunden sexualmedizinische Kursinhalte,
  • 120 Stunden sexualmedizinisch geleitete Fallseminare.

Verbindlich sind die Vorgaben der jeweils zuständigen Landesärztekammer; Übergangsregelungen können abweichen.

Weiterbildungsinhalte Sexualmedizin

Die Zusatz-Weiterbildung in Sexualmedizin ist komplex und vielschichtig. Das umfassende Weiterbildungsprogramm stellt sicher, dass die Fachärzte nicht nur in der Theorie, sondern auch in der Praxis für die Herausforderungen der Sexualmedizin gewappnet sind.

Theoretische Grundlagen

Die Weiterbildung legt einen Fokus auf die grundlegenden Aspekte der menschlichen Sexualität, einschließlich deren somatischen, psychischen und sozialen Grundlagen. Sie umfasst die Kenntnisse der psychosexuellen Entwicklung über die Lebensspanne, der Geschlechtsidentität und der sexuellen Orientierung. Weiterhin wird ein Verständnis für die gesundheitlichen Auswirkungen von sexuellem Missbrauch und relevante rechtliche Aspekte, wie zum Beispiel das Sexualstrafrecht, vermittelt.

Praktische Behandlungsmethoden

Ärzte lernen, offene und wertfreie sexualmedizinische Gespräche zu führen und kompetent zu diagnostizieren. Sie werden geschult in der Differentialdiagnostik und Klassifikation von Sexualstörungen, von Funktionsstörungen bis hin zu Störungen der sexuellen Präferenz oder der Geschlechtsidentität. Die Weiterbildung bereitet sie auch darauf vor, Sexualstörungen im Kontext anderer Erkrankungen zu verstehen und zu behandeln.

Berufliche Perspektiven

Die Zusatz-Weiterbildung erfolgt nach der Facharztanerkennung. An kommunalen Krankenhäusern im Geltungsbereich des TV-Ärzte/VKA beträgt das Tabellenentgelt für Fachärztinnen und Fachärzte vom 1. Juni bis 31. Dezember 2026 in Entgeltgruppe II monatlich 7.552,19 Euro brutto in Stufe 1 und 8.185,40 Euro brutto nach drei vollendeten Jahren in der Entgeltgruppe, also ab dem vierten Jahr. Andere Tarifverträge oder individuelle Vereinbarungen können abweichen.

Sexualmedizin ist ein kleiner Bereich, bietet jedoch gute Möglichkeiten zur Differenzierung für niedergelassene Mediziner. Die Zusatzqualifikation ist vor allem für Fachärzte in der Psychologie, Psychosomatik, Gynäkologie und Urologie interessant. Die Spezialisierung ermöglicht es Ärzten und Ärztinnen vor allem in der Niederlassung, ihre Expertise zu vertiefen und sich positiv von der Konkurrenz abzuheben.


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